Prognose für 2023-2025: Kriegsenkel-Gefühle bedrohen unsere Gesellschaft

Veröffentlicht am Kategorisiert in Kriegsenkel & Ahnentrauma

Rechtspopulismus nimmt allerorten zu. Die Volksseele kocht. Die Werte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, Mitgefühl und menschliche Wärme scheinen mehr und mehr in den Hintergrund zu treten. Wut und Hass nehmen zu.

Unsere Demokratie ist in Gefahr. Mancherorten riecht es schon verkokelt.

Kriegsenkel-Gefühle bedrohen uns. Meine Gesellschafts-Prognose 2023 bis 2025. Welche Einsichten werden wir haben? Welche Ansätze es bereits gibt und welche Kräfte in den nächsten Jahren dagegen wirken, kannst Du in diesem Blogartikel lesen. Und auch, was das mit unverarbeitetem Ahnentrauma, mit generationenübergreifendem Kriegstrauma, zu tun hat.

Meine Prognose 2023 bis 2025: Kriegsenkel-Gefühle bedrohen unsere Gesellschaft! Und was dagegen wirkt.

Der politische Rechtsruck-Druck wird zunehmen

Die unbewussten und unverarbeiteten Kriegsenkel-Gefühle in unserer Gesellschaft haben bereits politisches Feuer gefangen. Es gärt, es brodelt. Mancherorts brennt es schon lichterloh: Das Gefühl, nicht genug vom großen Kuchen abzubekommen. Das Gefühl, es sei zu wenig für alle da. Der Eindruck, zu den Zu-Kurz-Gekommenen, den Abgehängten, zu gehören.

Kriegsenkel stellen heute im Osten der Republik die Kernwähler der AfD. Dort hatten die Menschen nicht die Chance, die Nazi-Diktatur zu verarbeiten. Die Verantwortlichen und die Täter des Nationalsozialismus fanden sich aus Sicht der DDR allein im Westen. Dagegen schottete sich die DDR ab – mit ihrem antiimperialistischen Schutzwall, wie sie Mauer und Grenze bezeichnete. Watt de nich‘ mehr siehst, dadd gibbett nich‘. Aus den Augen aus dem Sinn. Täter waren die anderen. Die Welt teilte sich ein in Gut und Böse. Die Bösen saßen „drüben“ oder (hinter vorgehaltener Hand) „immer noch da oben“.

So kam auch das Böse immer von oben. Freiheitsentzug und Diktatur. Und auch nach der Wende haben sich viele Menschen nicht verabschieden können von dem, was sie ihr ganzes Leben lang taten. Und was sicher ein Baustein war, um sich aus der DDR-Diktatur zu befreien: Protest gegen „die da oben“. Viele glauben noch immer, aus dieser Richtung kippte ein zentrales Komitee die ganze gesellschaftliche Sch**** nach unten. Auf sie. Auf ihren Rücken. Und nun sind Heilsversprecher da und geben ihnen ihre Würde und ihre scheinbare Selbstwirksamkeit zurück indem sie sagen: „Nicht mit uns! Wir müssen uns wehren. Protestieren.“ – Das Heil liegt im Außen.

Die Lösung ist einfach: Das richtige Kreuz auf dem Wahlzettel und das „Heil“ ist nah. Heileluja! Hatten wir schonmal.

Mich gruselt‘s. Zwischen denen und mir steht sie noch immer: eine Mauer. Argumentativ gibt‘s da kein Durchkommen. Gefühlsmäßig ohnehin nicht. Ich stoße auf Gefühlsinkompetenz. Nein Gefühlsimpotenz. Es ist kein Nicht-Wissen. Es ist ein Nicht-Können. Die kriegen ihre Gefühle nicht mehr hoch. Ok, Wut und Hass schon, aber das, was darunter liegt, der Schmerz, die Enttäuschung, die Trauer, die Angst, die sind hermetisch verriegelt und verrammelt, gären vor sich hin und finden ihren Ausdruck im besten Falle nur in diesen Kreuzchen auf dem Papier. Schlimmeres kennen wir aus den Nachrichten. Anschläge auf Synagogen, brennende Flüchtlingsunterkünfte.

Nun aber wird es wirtschaftlich enger für viele Menschen im Osten und im Westen. Der Ukraine-Krieg zeigt Folgen: globale Lieferketten sind beeinträchtigt, die Energiepreise steigen, wir bereiten uns auf Stromausfälle vor und es regiert die Angst vor einem narzisstischen Zeigefinger am roten Knopf. Geld wird knapper. Bei einigen sind nur Privilegien in Gefahr, bei anderen wird die Zahl auf dem Konto immer größer, nur leider mit einem kleinen Strich „-“ davor.

Not, Angst, scheinbare und reale Demütigungen haben uns schon einmal in die Fänge der falschen Propheten getrieben. Wir dachten, wir hätten daraus gelernt. Pustekuchen. Haben wir wohl nicht!

Stattdessen blubbert und brodelt es. Wie lange dauert es noch, bis weitere Gärprozesse puff machen? Hier und dort und da? Wie lange, bis mehr und mehr Leute auf die rechte Seite rücken? Wie lange, bis auch die, die noch auf der anderen Seite oder in der Mitte sitzen, aufstehen und plötzlich (?) unsere gute alte deutsche Bierbank der Demokratie verlassen?

Und dann: Pardauz! Gute Nacht, Marie. Gute Nacht, Deutschland. Gute Nacht, Europa.


Zum Glück sehe ich aber auch folgende Gegentrends, die Hoffnung machen:

Das Thema „Generationenübergreifendes Kriegstrauma“ bekommt mehr Öffentlichkeit

Seitdem ich mich mit den Themenfeldern Kriegskinder/ Kriegsenkel:innen und Ahnentrauma beschäftige, scanne ich den Markt der Veröffentlichungen und Angebote. Ich lese Bücher, schaue mir Coaches, Programme zur Persönlichkeitsentwicklung, Online-Kurse und darauf spezialisierte Psychotherapeut:innen an. Das gibt es alles!

Als ich anfangen wollte, mein Buch „Eingefroren in der Zeit“ zu schreiben dachte ich: „Au weia. Daaaas (!) gibt es alles schon? Da braucht es doch mein Buch nicht auch noch! Ist doch alles schon gesagt.“ Je mehr ich einstieg, je mehr nahm ich wahr, dass ich nicht allen Menschen, die etwas zu diesen Themen beitragen, zuhören mag. Vieles war mir zu schwer, zu verwissenschaftlicht, zu theoretisch. Vieles war düster, ernsthaft und hing mir wie ein Klotz auf der Seele. Mir fehlten Humor und Leichtigkeit. Mir fehlten persönliche Geschichten.

Und plötzlich war mir klar: Natürlich! Genauso wie ich nicht jedem zuhören mag, so trifft mein Schreib und mein Sprech vielleicht nicht alle Menschen. Vielen ist das zu dick, zu flapsig oder es wirkt unprofessionell, weil Professionalität nun einmal schwer daher kommen muss. Schon bei meiner Arbeit im Projektmanagement der Bank mit P bin ich zum Lachen nicht in den Keller gegangen und habe meine Ziele erreicht. Ich schaute zurück und sah: da waren Menschen, die mit MIR zusammen arbeiten wollten, weil es Spaß machte.

Und ich wusste, ich würde genau so auch mit diesen dunklen Themen umgehen können. Damit würde ich Menschen erreichen, die MIR zuhören, die MEINE Geschichten lesen wollen. Und wenn es nur ein:e Mensch:in lesen würde, nur EINE:R, die sich die Themen und die Zusammenhänge noch nie bewusst gemacht hatte, hätte ich mein Ziel erreicht: Die Welt mit meinem Tun ein klein wenig besser zu machen. Eine:r, nur ein:r! Ein:e Einzig:r! Ich schrieb und schrieb und schrieb. Sehr Persönliches. Die Wirkung des Krieges, mehr als 75 Jahre nach dessen Ende. Auf meine Vorfahren, auf mich, auf unsere Gesellschaft.

Inzwischen bin ich weit über meine EINE:N Leser:in hinaus. Ich erfahre Bekräftigung, mich weiter diesem Themenkomplex zu widmen, ich öffne mit meiner Arbeit Herzen und ermutige Menschen dazu, ihren Blick zurück zu richten. In die eigene Familiengeschichte, die (wie individuell und persönlich sie auch sein mag) von gesellschaftlicher und politischer Relevanz ist. Damit wir verstehen und Mitgefühl entwickeln.

Ich nehme wahr, dass es viele Menschen gibt, die sich dem großen Schweigen noch nicht genähert haben, und denen der Dreck unter den Teppichen ihrer Familiengeschichte zwar unter den Fußsohlen drückt, die aber gar nicht wissen, was da piekst. Dass da noch etwas anzuschauen und ordentlich wegzukehren wäre.

Einige davon erreiche ich. Die Anderen fühlen sich von anderen Angeboten angesprochen. Ich sitze in meiner Blase. Ich sehe, es gibt schon viel. Und ich nehme wahr: es wird mehr! Seit Sabine Bode vor mehr als zehn Jahren ihr Buch „Kriegsenkel“ veröffentlicht hat, trauen wir (die Erben der Täter) uns, über unseren Schmerz zu reden. Und: das Angebot wird vielfältiger. Es gibt den Verein Kriegsenkel e.V., der Betroffenen eine Plattform für Austausch, Lernen und persönliche Weiterentwicklung bietet. Es gibt Spezialistinnen wie Ingrid Meyer-Legrand, die regelmäßig kostenlose Kriegsenkel:innen-Calls per Zoom im Internet anbietet und Dr. Iris Wangermann, die mit Peace With Your Past spezielle online-Angebote entwickelt hat, um nur einige zu nennen. Es gibt Bücher zuhauf und Gruppenangebote.

Sie alle können gut nebeneinander stehen, weil sie ganz unterschiedliche Menschen mit den verschiedensten Bedürfnissen in ganz speziellen Fragestellungen und Lebensphasen ansprechen und ein Stück weit zur Überwindung unserer Kriegsenkel:innen-Mindfucks wie z.B. „immer ich“ oder „ich komme zu kurz“ beitragen.

Und aus gesellschaftlicher, aus politischer Sicht tragen diese Angebote dazu bei, unsere Demokratie zu schützen und zu stützen, weil sie Bewusstheit schaffen und Menschen aus der Opferrolle befreien.

Denn: wir reden alle noch zu wenig darüber. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Viele Steine sind ins Rollen gekommen! Die Themen drängen mehr und mehr in die Medienöffentlichkeit. Sie werden sich im gesellschaftlichen Wissen verankern. Es wird mehr Plattformen, Podiums- und Fernseh- und Rundfunkdiskussionen dazu geben.

Kunst und Kultur verbreiten das Thema Kriegstrauma noch verstärkter

Seit Dörte Hansen 2015 ihren Roman „Altes Land“ veröffentlicht hat bekommt das Thema Ahnentrauma in meiner Wahrnehmung eine immer größere Leserschaft, es berührt ganz individuell. Das Buch wurde sofort zum „Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels“ und zum SPIEGEL-Jahresbestseller. Ihr 2. Roman „Mittagsstunde“ von 2018 landete dort ebenfalls und wurde mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Die Verfilmung, der ZDF-Zweiteiler zu „Altes Land“, mit einer wunderbar alternden Iris Berben in einer ihrer absoluten Paraderollen rührte an, verstörte gleichermaßen und konfrontierte ein Millionenpublikum mit der Kriegsenekel:innen-Thematik. Dörtes zweiter Roman, der ins gleiche Genre fällt und unter anderem die zentrale Problemstellung Umgang mit alternden Eltern thematisiert, schaffte es dagegen schon ins Kino: Die Verfilmung von „Mittagsstunde“ mit Charly Hübner (unfassbar gut!) in der Hauptrolle lief seit dem 22. September 2022 in den Lichtspielhäusern und erhöhte die Sichtbarkeit von des Themas Generationentraumata noch einmal mehr.

Ankündigungsfoto zu „Halt! Mutter mit Kind kann gehen“ | Foto: Familie Holzapfel

Und auch auf den Bühnen des Landes ist es angekommen. Im meinem Businessrückblick Oktober 2022 berichtete ich über das performative und sehr zu Herzen gehende Vier-Generationen-Theaterstück  „Halt! – Mutter mit Kind kann gehen!“ von meiner Freundin Claudia Holzapfel, das dieses Jahr in Köln Premiere feierte. Es gab Standing Ovations für die drei noch lebenden Generationen.

So wird es weitergehen. Mehr und mehr Menschen werden sich dem Themenkomplex nähern. Er wird ein breiteres Publikum finden. Dafür werden Literatur-, Film-, Kunst- und Bühnenschaffende sorgen. Und vielleicht traut sich ja auch jemand daran, dieses so schwere Thema humoriger und leichter zu performen, gar als Kriegsenkel:innen-Comedy? Ich glaube daran, dass auch das gelingen kann. Vielleicht mir? Wer weiß.

Wir erkennen „Wir sind eine traumatisierte Gesellschaft“

Je mehr wir gemeinsam in unsere Familien schauen, auf das, was unsere Eltern und Großeltern erlebt haben, auf das, was in der Folge auch uns und (über unser „schräges“ Verhalten) auch unsere Kinder traumatisiert hat, je mehr erkennen wir, dass wir in einer hoch traumatisierten Gesellschaft leben.

Und je mehr Menschen, ihren persönlichen Schmerz und ihre Erfahrungen in ihren kriegstraumatisierten Familien aussprechen, öffentlich und damit zu einem gesellschaftspolitisch relevanten Thema machen, desto mehr werden wir uns der Kriegsfolgen auf unser Leben bewusst werden: Schweigen, Gefühlsvermeidung, Empathielosigkeit, Selbstüberschätzung sind nur einige davon.

Wir werden uns bewusst darüber, dass jede:r, der Anfang der 1960er Jahre älter als 15 war, Kriegserfahrungen gemacht hat. Dass es in JEDER deutschen Familie Kriegserfahrungen gibt, dass es noch viel zu tun gibt um das aufzulösen.

Wir werden erkennen: unsere gesamte Gesellschaft ist von Traumaerfahrungen durchzogen. Und wir müssen uns nicht wundern, wenn der Volkskessel brodelt.

Mehr Kriegstraumatisierte kommen zu uns. Und: Wir machen es besser.

Die Weltgeschichte lehrt uns gerade, dass immer mehr Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten zu uns nach Deutschland kommen werden. Traumatisierte in ein traumatisiertes Land. Sie lehrt uns: Trauma zieht Trauma an. Trauma wiederholt sich, wenn es nicht aufgelöst wird.

Es ist gut, dass wir den vor Krieg und Gewalt Geflüchteten sicheren Unterschlupf und vielleicht sogar eine neue Heimat bieten können. Aber wir müssen uns auch mit ihren Trauma-Erfahrungen konfrontieren und auseinander setzen. Wir dürfen nicht schweigen und nicht so tun, als ob nichts wär‘. Mit dem sicheren Dach überm Kopf ist es nicht getan! Wir müssen sie ermutigen, ihre Geschichten zu erzählen. Geschichten, aus denen andere Menschen etwas lernen können. Geschichten, die Mitgefühl wecken, menschliche Wärme entstehen lassen. Zugehörigkeit und Heimat.

Wir dürfen nicht die gleichen Fehler machen, die UNS im Leben so weh getan, uns so geschadet, uns be- und verhindert haben. Sonst sind es in Zukunft wieder die ganz Kleinen, die, die jetzt Kinder sind, die das Leid tragen. Die, die angeschwiegen werden, die aber dennoch spüren, dass es da etwas Schweres gibt, das ihre Eltern belastet. Die, die die Eltern vorm großen Schmerz bewahren wollen und eine Verantwortung übernehmen, die viel zu groß ist für ihre Kinderseelen.

Weil wir nicht wollen, dass sich das ganze Schlamassel wiederholt, werden wir es besser machen: Wir werden lernen, dass Schmerz zum Leben dazu gehört und dass der Wille, ihn um jeden Preis zu negieren oder zu vermeiden, in die Katastrophe führt. Wir werden Mitgefühl entwickeln, Für uns, unsere Ahnen, unsere Mitmenschen.

Und für unsere Zukunft.
Denn: Wenn Du Mitgefühl hast, ist es dir unmöglich den roten Knopp zu drücken!

„Ahnentrauma“ kommt auch in der Altenpflege an

Schon heute gibt es in vielen Altenwohnheimen Angebote, die es den Hochbetagten ermöglichen, ihre im Krieg erlebten Geschichten, die ihnen auf der Seele drücken, auszusprechen. Gute Altenpfleger:innen sind darauf geschult, die Bewohner:innen, wenn es passt, darauf anzusprechen und viele Heime bieten einen Raum und Methoden an, damit alte Menschen inneren Frieden finden können.

Aber die Generationen derer, die noch von Kriegserfahrungen berichten können, stirbt aus. Ich habe einmal irgendwo gelesen (leider weiß ich nicht mehr, wo), dass sich in Gesellschaften die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Kriegen kommt, erhöht, je weniger Menschen es dort gibt, die vom selbst erlebten Schrecken des Krieges berichten können. Wollen wir hoffen, dass dies bei uns nicht der Fall sein wird.

In Altenwohnheimen wird es in den nächsten Jahren immer mehr Ältere Menschen geben, die den Krieg NICHT erlebt haben und die der Generation der KRIEGSENKEL:INNEN zuzurechnen sind. Deswegen wird sich auch dort ein Wahrnehmungs-, Betreuungs- und Kommunikations-Shift weg von „Wie war es denn bei Ihnen im Krieg?“ hin zu „Was haben denn Ihre Vorfahren im Krieg erlebt?“ ergeben.

Dies klingt nach einer kleinen Veränderung, ist es aber nicht: denn es braucht bei den Pflegenden die Sensibilität dafür, dass Menschen auch unter Kriegserfahrungen leiden können, die sie selbst gar nicht erlebt haben. Diesem Erkenntniskonzept werden sich Pflege-Einrichtungnen, die Pflegeausbildung, ja die gesamte Pflegebranche stellen.

Führungsverhalten wird sich zum Positiven ändern

Das Wissen darum, dass Menschen weitergeben, was sie selbst erlebt haben, wird auch an den Sicherheitsschranken der großen Corporate Companys nicht halt machen.

Es wird immer weniger Vorstände geben, die Wasser predigen und Wein trinken. Sie werden es sich nicht mehr leisten können, in Hochglanzbroschüren die unternehmensweite „Kommunikation auf Augenhöhe“, die „lernende Organisation“ und „offene Fehlerkultur“ abzudrucken und sich schon auf der 2. Führungsebene die Toxi-Terrier zu halten, die ihre Mitarbeiter mit physischer und psychischer Gewalt führen.

Die Narzissmus-Dinos und Neros von Chefs werden einsam aussterben oder schmerzhaft lernen, dass dieses Führungsmodell ausgedient hat.

Daran können wir alle arbeiten, indem wir weitergeben, was wir gelernt haben. Indem wir klar machen, welches Verhalten wir nicht länger tolerieren, im Privaten, in Unternehmen, in Staaten. Indem wir genau hinschauen, wem wir die Macht geben.

Die Bindungsorientierte Erziehung wird Wirkung zeigen

Mehr und mehr Eltern werden es in den nächsten Jahren schaffen, ihren Kindern einen emotional sicheren Raum zum Aufwachsen zu geben. Im Rahmen der bindungs- oder bedürfnisorientierten „Erziehung“ (ich habe für mich leider noch keinen passenderen Begriff für „Erziehung“ gefunden) können Kinder sich sicher fühlen. Das schafft Urvertrauen.

Von den Bezugsperson beschützt, bestärkt, verstanden und sicher geleitet, frei von Aufgaben und Verantwortung dürfen sie zunächst einmal nichts als nur Kinder sein. Ihr „Reptilien-Gehirn“, der Teil des Stammhirns, in dem Urinstinkte wie Kampf, Flucht und Erstarren liegen, kann sich langfristig beruhigen. Dagegen wird der präfrontale Cortex, im dem Aufgaben wie Gefühlsregulation und Konzentration liegen, gestärkt! Dr. Kathrin Mikan von Superheldenkids nennt das, das “Held:innen-Gehirn”. Im Urvertrauen geborgen, entwickeln Kinder seelischen Selbstschutz. Sie werden sicher angeleitet und können sich zu selbstständigen und selbstfürsorglichen Erwachsenen entwickeln.

So wachsen immer mehr gefühlsgebildete, resiliente Menschen heran, die mit den Herausforderungen des Lebens umgehen können und Stress, Konflikte, Krisen und Verluste bewältigen können.

Wenn wir unseren Kindern die innere Haltung MUT STATT MÄH vorleben, wenn wir sie dabei unterstützen, zu starken und selbstbestimmten Persönlichkeiten zu werden. Zu Menschen, die die Unterschiede sehen, die Grautöne zwischen all dem Schwarz und Weiß. Menschen, die eine Stimme haben, die NEIN sagen können und JA zu dem, was ihren Grundwerten entspricht. Menschen, die gestalten statt alles über sich ergehen zu lassen. Menschen, die fühlen. Und dann: Dann können wir Hoffnung haben.

Hoffnung auf Mitgefühl, auf Frieden, auf Demokratie.

Hey Biermichel, rück rüber!

Hey du, wie geht‘s dir? Kannste mal‘n bisschen mehr in die Mitte rücken? Sonst fallen wir hier alle noch um auf unserer Bierbank. Und jetzt erzähl mal, was ist denn eigentlich los?


Du willst mehr lesen? Hier ist mein Buch:
Buch Eingefroren in der Zeit
Eingefroren in der Zeit
Birgit Elke Ising

Eingefroren in der Zeit ist ein guter Einstieg ins Thema Ahnentrauma. Du brauchst keine Vorkenntnisse. Nur Lust auf Geschichten. Skurrile Geschichten.

Deep Shit, mit Humor und Leichtigkeit erzählt.

„Wütend, witzig, weise.“
(Sven Rohde, Vorstand Kriegsenkel e.V.)

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Spring ins improvisierte Lesen: Bunte, bildhafte Sprache, wild und inspirierend. Poesie & Worterfindungen. Klartext mit Humor. Ahnentrauma hin oder her.

Birgit Ising mit Notebook
Wer schreibt hier eigentlich?

Hi, ich bin Birgit Elke Ising. Ex-Bank Managerin, Coachin, Autorin, Speakerin und (improvisierende) Schauspielerin. Ich bin Expertin für Transformationsunterstützung. Mit kreativen Coaching-, Theater- und Schreib-Techniken helfe ich dir aus der Schwere ins Handeln.
Mehr über mich erfährst du hier.

9 Kommentare

  1. Liebe Birgit,
    da hast du ein stahlhartes und gefrorenes Eisen benannt und mit deinem unbeirrten Humor aufgetaut und weich gemacht. Wow.
    Ich merke – wir ziehen am selben Strang. Auch mir ist es wichtig, aufzuklären, dass Menschen sich auf die Schliche kommen. Letztlich weiss ich, dass fast alle Symptome, mit denen jemand zu mir kommt, ihren Ursprung im Krieg haben. Ich benenne es so nicht, sondern unterstütze einfach individuell bei den Symptomen. Es ist so wichtig, dass es benannt wird und dass Menschen unterstützt werden, weicher zu werden, emotional zugänglicher und auftauen. Endlich.
    Super Arbeit, super Artikel – den ich liebend gerne gelesen habe.
    Viele Grüße aus Spanien

    1. Liebe Shivani, das freut und berührt mich, dass mir mein Auftauen auch sprachlich gelingen mag und dass diese Absicht bei Dir ankommt. Und Ja: Unsere Arbeit ist so wichtig. Das Transparentmachen, das Benennen, die Stärkung der eigeneren Emotions-Intelligenz (what a word) oder wie das heißt. Alles Liebe, Birgit

  2. Liebe Birgit, was soll ich sagen, du sprichst mir aus der Seele. Und wie schön, dass auch du diese Hoffnung hast, dass wir es schaffen können, dass auch du die Menschen siehst, die langsam, aber sicher lernen, mit den Themen umzugehen. Ja, ich glaube, dass sie unsere einzige Chance sind.

  3. Liebe Birgit, in deinem Text finde ich mich wieder und finde die Zusammenhänge zur Kriegsenkelgeneration absolut logisch.
    Ich habe ähnliche Befürchtungen zur Entwicklung der Gesellschaft und sehe gleichzeitig ganz viel Hoffnung in der veränderten, bedürfnisorientierten Erziehung. Kinder mit Urvertrauen in die Welt, in andere Menschen und in sich selbst – sie werden die Helden der Zukunft sein!

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