A writing soul in NYC | Tipps für SoHo, West & Greenwich Village

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Inspirierende Plätze für Schreibende & allein reisende Frauen in New York

Die unterschwellige Diskriminierung von alleinreisenden Frauen lebt. Nicht offen, nicht direkt, oft zart und freundlich daher kommend. Ich spreche nicht vom offensichtlichen, ollen Katzentisch in der Näher der Klotür oder dem Not-Asyl ganz hinten in der Ecke (damit der Anblick meines scheinbar einsamen Elends nicht das ganze Ambiente verpfusche). Dagegen kann ich mich wehren, darauf bin ich vorbereitet.

Was ich meine, geht so: „You are waiting für someone?“, „No. I’m alone.“, „Oh, I‘,m sooo sorry.“ – Da ist es. Es ist nämlich nicht „allright“ oder „ok“. Nein, der Typ, es sind immer Männer, findet mich bemitleidenswert, nicht nur wegen des verdammten Single-Tisches, sondern wegen meines ganzen, komplett verpfuschten Lebens. In Millisekunden transportiert sich ‚verlassene Alte‘ und meine Antwort, „No, I’m absolutely fine. No need to worry about.“, kommt wie immer zwei Sekunden zu spät. Hängt ungehört in der Luft, während mein freundlicher „Host“ längst schon wieder abgerauscht ist, um seine Ansicht zurück ins Stempelkissenbettchen zu legen. Ich lächle, schüttele leicht den Kopf, denke „Fresse, Alter!“

„What? Alone? Oh, I’m so sorry!“ – Ich denke: „Fresse, Alter!“

Es begegnet mir an allen Orten der Welt. Wenigstens ernte ich hier in New York offen ausgesprochenes Mitleid, auf das ich antworten kann und nicht nur ein Seufzen, hochgezogene Augenbrauen oder offene Ablehnung. Und deswegen, trotzdem und überhaupt, für uns: Lasst uns allein reisen. Schreisen. Schreibend reisen. Möge der Anblick von allein reisenden, schreibenden Frauen zur Normalität werden, in den Stadt- und Landschaftsbildern und in den Köpfen der Menschen.

So let’s go. Hier kannst du in Soho & im West/ Greenwich Village einen ganzen Tag wundervoll und allein verdaddeln:

Zeitreise ins Wohn- & Arbeitshaus des Künstlers Donald Judd

Bei der Einführung bittet David, der Guide, unsere kleine Gruppe darum, sich auf den vom Künstler entworfenen ikonischen Stühlen nieder zu lassen. Zuerst zieren wir uns, aber er liefert direkt einen Grund. „Ihr werdet aus den Latschen kippen, wenn ihr hört, was Donald Judd für dieses damals alte, renovierungsbedürftige, verlassene Fabrikgebäude 1968 bezahlt hat. Also für uns alle besser, ihr sitzt dann schon. So, are you ready?“ Langsam sagte er: „Eighty… six… thousend … Dollars!“ Wir staunen, ist es doch angesichts der ringsum beheimateten Luxusmarken und der vielen gutbesuchten Restaurants und bunten Boutiquen unvorstellbar, dass sich hier Künstler und Hausbesetzer tummelten, gemeinsam wohnten und arbeiteten und ein ehemaliger Bürgermeister von NYC das Viertel einer Schnellstraße opfern wollte, weil damit „eh nichts anzufangen“ sei.

Reise in die Lebens- und Arbeitsweise eines Künstlers und die Vergangenheit eines Stadtviertels – bevor es der Gentrifizierung anheim fiel

Bei der Einführung bittet David, der Guide, unsere kleine Gruppe darum, sich auf den vom Künstler entworfenen ikonischen Stühlen nieder zu lassen. Zuerst zieren wir uns, aber er liefert direkt einen Grund. „Ihr werdet aus den Latschen kippen, wenn ihr hört, was Donald Judd für dieses damals alte, renovierungsbedürftige, verlassene Fabrikgebäude 1968 bezahlt hat. Also für uns alle besser, ihr sitzt dann schon. So, are you ready?“ Langsam sagte er: „Eighty… six… thousend … Dollars!“ Wir staunen, ist es doch angesichts der ringsum beheimateten Luxusmarken und der vielen gutbesuchten Restaurants und bunten Boutiquen unvorstellbar, dass sich hier Künstler und Hausbesetzer tummelten, gemeinsam wohnten und arbeiteten und ein ehemaliger Bürgermeister von NYC das Viertel einer Schnellstraße opfern wollte, weil damit „eh nichts anzufangen“ sei.

Zeitreise: Judd Foundation, Soho

Die Besichtigung gleicht keinem Museumsbesuch sondern ist ein sehr privater Einblick in das Wohnhaus des Künstlers, der hier mit seiner Familie lebte. Die nahezu leeren Räume verdeutlichen sein Denken und Handeln, zeigen einige seiner Kunstwerke und die von Zeitgenossen, spiegeln aber vor allem sein Verhältnis zu diesem besonderen Gebäude. Es wird sichtbar, wie das Haus und seine Abmessungen seine Kunst beeinflussten. Da findet sich ein Esstisch, der genau die Größe der Fenster hat. Da stehen die Kunst und die Möbel im Verhältnis zum Raum, zur Zeit und zum Licht. Je nach Tages- und Jahreszeit präsentiert sie sich in einer anderen Stimmung. Der handbetriebene Aufzug, einer der ersten in New York City, funktioniert zwar noch, aber wir knarzen langsam die alten Treppen empor, betreten Etage für Etage nur je einen großen Raum. Wir bestaunen die Loft-Küche, in der sich die banalsten Gegenstände durch ihre Platzierung im Raum und zueinander wie Kunstwerke benehmen, betreten den Arbeitsraum des Künstlers, seine Bibliothek und im obersten Stockwerk das riesige Schlafzimmer. In diesem Haus ist alles Design, alles Konzept, alles wohlüberlegt und folgt einem tiefen inneren Sinn. Auch das Kinderzimmer.

Judd Foundation, 101 Spring St, New York, NY 10012, Besuch nur mit Voranmeldung.

Kleine Auszeit im il Villaggio Nail Spa

Ich schlendere durch die Gegend zu Morgenstern’s Finest Ice Cream, DER Eisdiele in New York mit den abgefahrensten Sorten und allein 20 Varianten verschiedener Vanille-Eiscremes, aber als ich davor stehe überwältigt mich die Auswahl und mein Körper revoltiert „Nee, echt jetzt? Bitte was Richtiges!“ Also kein Eis. Werde die Eis-Untersuchung nachholen und dann hier ergänzen.

Drachinnen-Nägel mit Massage

Seit Tagen laufe ich mit lackabblätternden Fingernägeln durch die Gegend. Ich Schaf habe weder Feile noch Nagellack eingepackt, täglich sehen meine Hände ramponierter aus. Es muss was passieren. Da entdecke ich nur ein paar Schritte weiter, am Eis-Emporium vorbei, das „il Villaggio Nail Spa“. Ich bin keine Nagelstudio-Tante, aber gebe mir einen Ruck, traue mich rein und strecke der Dame am Empfang peinlich berührt meine Hände unter die Nase, stammle etwas von „… sehen schlimm aus. Zuhause leider nicht geschafft …“, höre nur „No Problem. Yeah, sure.“ Alles easy.

Mit neuen pinkigen Krallen schlendert die Schreibdrachin*, nun sichtlich entspannter, weiter durch New York City.

Nur 35 Minuten später stehe ich wieder im Freien, habe eine sanfte, hochprofessionelle Maniküre, Handbad und Handmassage hinter mir und: eine ebenso unerwartete wie gute Nackenmassage! Die gab es als Service obendruff, als meine Nägel trockneten.

Il Vilaggio Nail Spa, 502 LaGuardia Pl, New York, NY 10012, besser mit Termin: +1 212 2289581

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Spring ins improvisierte Lesen: Bunte, bildhafte Sprache, wild und inspirierend. Poesie & Worterfindungen. Klartext mit Humor. Ahnentrauma hin oder her.

Lunch: Feine Nudeln in der Bar Pitti

Par Pitti, NYC

Ein paarmal um die Ecke: Da ist ein Italiener! Mein Bauch schreit „Nuuuuudeln!“. Die Terrasse ist gut besucht. Auf der handgeschriebenen, in italienisch verfassten Karte stehen Taglioni al Tarfufo. An Trüffelnudeln komme ich nicht vorbei! Der Kellner ruft mir entgegen: „Ciao Signora, come stai? Una tavola. Solo per lei? Si, claro.“

Hier bin ich richtig. Kein Bedauern. Brot, Olivenöl, Wein, Wasser, Nudeln, göttlich cremiges Tiramisu. Kein Schnicki, kein Schnacki.

Fluffiges Brot, lecker Olivenöl, gute Nudeln, feiner Wein, himmlisches Tiramusi. Kein Mitleid.

Business-Männer im Anzug neben touristischen Familien, einem auf den ersten Blick gefährlich aussehenden, über und über mit Metall behängtem langhaarigem Dutt-Rocker mit grauem Vollbart und freundlichem Gesicht, an jedem Handgelenk (ungelogen!) fünf dicke Uhren und seiner langweiligen Begleitung mit Yves Saint Laurent Handtasche. Einige Tische weiter zwei laut türkisch schnatternde Damen aus der Neighbourhood. Neben mir auf jung getrimmte Turnschuh-Mittsechziger. Einer davon wurde vom Kellner zur Begrüßung mit großer Geste „Ciao! Dottore!“ in den Arm genommen und herzlich auf die Wange geknutscht. Alles dabei. Ich bin in Italien, mitten in New York. Hier kann ich sein. Hier kann ich schreiben.

Bar Pitti, 268 6th Ave, New York, NY 10014 , Cash only, Geldautomat im Keller (!)

Grüne Oase: Der Garten von St. Luke In The Fields

St Luke in the Fields Garden

Hinter hohen Backsteinmauern, oft nicht wahr genommen, verbirgt sich der kleine Garten, eine wahre Oase zum Verweilen und Atem schöpfen. Ich habe drüber gelesen, weiß, dass es ihn gibt und durchschreite das eiserne Tor. Sofort macht es „bumpf“, alles dämpft sich, so wie bei Schnee. Meine Augen beruhigen sich, die Stadt und ihr immerwährender Sound treten in den Hintergrund.

Abseits des Trubels im Grünen schreiben. Was für ein himmlisches Geschenk!

Mich überschwemmt ein Grün in allen Schattierungen. Glänzend, gestreift, gräulich, frühlingszart. Ich sehe Magnolia Grandiflora, Ahornbäume, mir unbekanntes Buschwerk, Lilien in gelb und lila, weiße Löwenmäulchen, Allium. Überall recken sich bunte Blüten in den Himmel, der hier ein bisschen offener scheint. Die Fläche auf der Ecke zur Barrow Street ist kaum größer als die meisten Häuser hier. Mit einer Drehung um mich selbst glaube ich, alles gesehen zu haben. Aber es lohnt sich, die kleinen Wege und das Rondell in der Mitte zu beschlendern. Die Kletterrosen an ihren Rankgestellen zu beschnuppern. Ein Erholungsplatz im Big-Apple-Wust, wo die New Yorker ihren Pausen-Snack einnehmen und alte Damen sich nachmittags auf ein Schwätzchen treffen. Ein Platz zum inne- und anhalten. So möchte es auch die Gemeinde, die Handygespräche hier ausdrücklich verbietet. Ich verweile zum Schreiben auf einer der vielen Bänke. Lange.

St Luke in ihe Fields Garden, 485 Hudson St, New York, NY 10014, Eintritt frei, Essen erlaubt, Handys verboten

Schlürf & Prickel: Happy Hour in der Mermaid Oyster Bar

Prickel & Schlürf: Mermaid Oyster Bar

Austern sind nicht jederfraus Sache. Ich mag sie, aber meist finde ich sie zu teuer und auch der Name und das Aussehen dieses Restaurants in der Nähe des Washington Square Parks lässt meinen Geldbeutel in Erwartung großer Zahlen schon morgens beim ersten Vorbeigehen schlucken. Sandfarbene Wände im Beach-House Style, das Meerjungfrauenlogo, viel weiß, Stoffservietten, die farblich abgestimmte Markise in feinen Streifen treffen mein Gefühl für Schönheit und selbst der Corona-Pandemie-Pavillon auf der Straße, der den Außenbereich des Restaurants erweitert, atmet Strandathmosphäre aus. Mein Genussmuskel quietscht „Ja!“, mein Geldbeutel jammert, mein Kopf sagt „Lass mal lieber.“ Doch dann sehe ich das Schild: Happy Hour 4:30 – 6:30 p.m. Eine kleine, abgespeckte Happy Hour Speisekarte, beginnt mit „chef’s choice oyster $ 1.25 | minimum of 6“. What? Sofort buche ich einen der letzten freien Tische für den gleichen frühen Abend und so beschließe ich meinen Tag in Soho und im Village, bestelle Austern und Sparkling. Prickel! Ich liebe Prickel und der Kellner öffnet sogar unaufgefordert eine neue Flasche für mich. That’s how I like it. Bubbles. Die Austern sind megafrisch und großartig. Meine Gedanken schweifen zu einer weiteren Portion… Dann fällt mein Blick auf ein Zitat von Frederico Fellini, geschrieben in wunderschön geschwungener Handschrift. Es ist die gleiche wie im Meerjungfrauenlogo:

All art is autobiographical. The pearl is the oyster’s autobiography.

Frederico Fellini

Darüber nachdenkend genieße ich meinen sehr erschwinglichen Luxus, lasse den zweiten Teller sein und schreibe, das prickelnde Getränk genießend, stattdessen die letzten Zeilen des Tages. Niemand vertreibt mich. Keiner knallt mir die Rechnung hin, kaum dass ich den letzten Bissen verzehrt habe. Ich lächle. Ein runder Tag.

Mermaid Oyster Bar, 89 MacDougal St, New York, NY 10012, unbedingt reservieren

Die Schreibdrachin mit den pinkigen Krallen begegnete mir zum erstem Mal im Buch „Weltfühlung“ meiner Schreibfreundin, der Poetin Milda Pretzell. Ich finde es höööchst lesenswert.

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